Bin zu Tränen gerührt, dass ich Herrn Loeser noch hier gefunden habe, und das so viele Menschen ihn gedenken....
Vielen Dank dass eine Kindheitsfreundin von Lissy auch hier reinschmökern darf....
...
*
*
*
*
5 Jahre, mein lieber Freund
*
*
*
Gut dass der Accout bleibt.
Das alles berührt mich.
lg Andreas
nein, nicht vergessen. Ute
*
Gestern erneut an der "Villa Loeser" vobeigefahren - und endlich auch einen Blick ins Innere gewagt: Der Verfall ist kaum noch aufzuhalten. Durchs Dach regnet es, Spuren von Vandalismus, Fenster sind eingeschlagen, die Tapeten rollen sich von den Wänden. Es ist zum Heulen! Im Vergleich zu meinem ersten Besuch in dem Haus vor über 20 Jahren sind heute nur noch die kahlen Wände übrig. Warum nur findet sich niemand, der sich um den Erhalt kümmert?
Bernd Hendel: ich bin sehr gerührt wie wundervoll du diese Geschichte geschrieben hast. vielen Dank dafür. Ich kenne weder dich noch Wolfgang...liegt aber warscheinlich daran das ich aus PS komme. :o)
und ich kann mir deine Erzählung bildlich vorstellen mit allem !
grüssle
‘Entanglement’
Wie weit auch 2 miteinander ‘verschränkte’ Elementarteilchen voneinander getrennt sein mögen, sie bleiben doch auf rätselhafte Weise miteinander verbunden.
Manchmal hilft der Zufall nach.
Als ich 1994 aus dem Schaufenster eines Metzgerladens in der Hauptstrasse in Pirmasens schaute, glaubte ich mich um 41 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Gegenüber, so schien es mir, betrat soeben Wolfgangs Vater in alter Frische mit einer Baskenmütze auf dem Kopf sein Haus.
Der Name „Loeser“ befand sich jetzt aber bei einer anderen Klingel. Und dann stand ich nach 41 Jahren wieder Wolfgang gegenüber. Wir waren dick befreundet zwischen unserem 6. und 8. Lebensjahr. Nur Kinder können das so erleben: alle Türen stehen weit offen, man teilt alles miteinander, jede Sekunde ist prall gefüllt mit Leben, das Abenteuer liegt hinter jeder Ecke auf der Lauer. In Wolfgangs Leben gab es in den jungen Nachkriegsjahren all das, was ich nicht hatte: 2 Schwestern, einen Vater mit einem Fotoapparat, eine Werkstatt, in der wir nach Herzenslust basteln konnten und eine – in meinen Augen – riesige Märklin-Anlage. Aber vor allen Dingen war da der riesige magischer Speicher in der alten ‚Loeser-Villa’. Er war voll mit tausend geheimnisvollen Dingen. Und wir hatten den Pfälzer Wald vor der Tür. Der war ebenso geheimnisvoll. Es gab da alles, was wir brauchten für unsere Abenteuer: Burgen, Ritter, Räuber.
Viele Jahre später stiess ich auf die Beschreibung einer ähnlich magischen Welt in Rainer Maria Rilkes ‚Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge’.
Mit 8 bin ich umgezogen worden. Das ist so ungefähr das Schlimmste, was einem Kind in diesem Alter passieren kann. Ein paar Jahre früher ist ein anderer Freund von mir nach Kanada ausgewandert worden. Mit ihm war ich zusammen, seitdem unsere Mütter mit uns die ersten Ausflüge in ‚de Fahrewald’ machten.
Wolfgang war der zweite grosse Verlust in meinem jungen Leben. Zweibrücken blieb für mich immer eine fremde Welt, mit der ich nichts zu tun haben wollte.
Jetzt wohne ich in den Niederlanden, ganz weit weg von Pirmasens. Aber wir trafen uns jedes Mal, wenn ich mit Frau und Kindern in die Kneispermühle kam. Ich erinnere mich, dass unser ältester Sohn, damals 13, bei seinem ersten Besuch in Wolfgangs Wohnung fasziniert war von den hunderten von kleinen Lämpchen an der Decke. Das war für ihn wie Peter Pans Märchenwelt. Solch eine Deckenbeleuchtung wollte er auch haben. Sie hängt noch immer in seinem alten Zimmer in unserem Haus.
Im Jahre 2000, hörte dieser Kontakt abrupt auf. Ich habe seine Briefe bewahrt. Der letzte ist von Weihnachten 1999. Es gab keine Antwort mehr auf die Botschaften, die wir bei unseren Besuchen in der Pfalz auf dem Antwortapparat oder im Briefkasten hinterlassen haben. Auch die biografischen Weihnachtsgrüsse kamen nicht mehr . Das machte mich ziemlich traurig. Wir grübelten darüber nach, hatten wir vielleicht etwas Falsches getan oder gesagt? Vielleicht gab es eine grosse Veränderung in seinem Leben? Wollte er allein sein? Tröstlich war, dass immer noch Loeser auf der Klingel und oben manchmal ein Fenster offen stand, aus dem einmal auch ein Vorhang wehte. Unsere Besuche lagen immer in den Schulferien. Vielleicht sind sie auch ein paar Tage weg und haben das Fenster vergessen. Hoffentlich wird es nicht regnen. Wenn man älter wird, wird man bescheiden. Man gibt sich zufrieden mit den kleinsten Anzeichen von Leben.
Letzte Woche wieder ein Zufall. Ich suchte im Internet die Adresse des Standesamtes Pirmasens, weil ich dringend eine Geburtsurkunde benötigte. Und ich suchte auch nach ‚Loeser’ im Mitarbeiterverzeichnis der Stadt. Aber da gab es keinen Loeser mehr. Ich suchte im Internet und fand als erstes diese website. Ich schrieb spontan eine email an Wolfgang. Dass ich mich über seine schönen Fotos freute. Ich hatte nicht viel Zeit, war vielleicht auch zu euphorisch, um genauer hinzusehen und das ‚Kleingedruckte’ zu lesen.
Und dann kam noch am gleichen Tage diese Antwort, die man eigentlich lieber nicht haben will.
Wolfgang, mein ‚entanglement’ mit dir wird deswegen nicht aufhören.