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EDIT am 16.09.2006: zu diesem Bild eine kleine Geschichte von Matthias von Schramm , die VOR diesem Bild entstanden ist, aber ebenso emotionsgeladen ist:
Jonathan wird vierzig
Immer noch wohne ich in diesem ehrenwerten Haus. Beim Blick in den Hof sehe ich Kindergesichter, runde faltenlose Gesichter, brustbeharrt und mit erstaunlichen Oberweiten, tätowierte Oberschenkel und Stringtangas. Es halten Kleinwagen, Sportwagen - Sonnenbrillen schauen hoch zu mir. Jungliebhaber holen die Töchter meiner Nachbarn ab - zum tanzen. An den Töchtern und Söhnen der Nachbarn erkenne ich – kinderlos geblieben – schmerzhaft mein Alter. Als ich damals einzog, tat ich es nicht damit alles bleibt wie es ist, aber insgeheim gehofft habe ich es schon. Die ersten drei Stufen der Parterretreppe habe ich schon lange nicht mehr mit einem Satz genommen. Es ist mir zunächst gar nicht aufgefallen, bis ich einen jungen Stadtcowboy beobachte. Sein unbändiger Schwung beleidigt mich. Ich versuche es ihm gleichzumachen und breche mir den Knöchel. Meine Freundin Käthe schimpft nur und rät mir umzuziehen, vielleicht vom dritten Stock ins Parterre. Aber ich habe mich zu sehr an den dritten Stock und die alten Mieter hinter den Spionen gewöhnt. Lange habe ich diese ehrenwerten Blicke ertragen – demütig aber spöttisch. Jetzt erklingt hinter den Spionen Hupfdohlenmusik, passend zu Girliezöpfen und Mintzigaretten. Keiner interessiert sich mehr für meinen müden, stampfenden Gang in den dritten Stock. Ich werde vierzig.
Ich werfe die Krücken weg, ich lache über mein Alter und drehe bei offenem Fenster die ‚Doors’ laut auf. Ein gelangweilter Blick begleitet mich. Ich habe mir einen Hund zugelegt – die jungen Mieter maulen, wenn er das Treppenhaus verschmutzt. Nur Onkel Erwin - schräg unter mir - lebt noch. Mürrisch wie eh und je schlägt er die bunte Boulevard-Tageszeitung auf, schaut in die Kindergesichter junger Politiker und grummelt: „Auf einmal sind alle schwul.“
Renate, kaum aus dem Ei geschlüpft steht mir gegenüber, streichelt den Hund und fragt nicht nach meinem Knöchel.
„Aber die Treppe machste heute noch – Jonathan, gell!“, schnattert es kinderhell durch das Loch ihrer gepiercten Zunge. Ich nicke verdattert.
„Cool!“, antwortet sie. Noch bevor ich weiterhumpeln kann, wendet sie sich an den baumlangen Spargel, der neben ihr steht – ihren Freund.
„Du ich habe zwei Kilo zugenommen, habe aber immer noch Untergewicht!“, sagt sie. Fahlblass starrt sein verpickeltes Äußeres vor sich hin.
„Komisch“, antwortet er abwesend. Ich eile fort, so schnell wie möglich mit meinem schlimmen Fuß. Jim Morrison - mein Hund – begleitet mich ohne mit dem Schwanz zu wedeln.
da hat es sich doch gelohnt, gleich nach dem Tatort in die FC zu schauen :-))
Zum Bild: Schärfeverteilung spitze.
Erinnert mich an Berliner Hauseingänge, in die ich mich auch immer mal zum Fotografieren reingeschlichen hab.
LG
V.
diese durchgänge haben immer eine besondere atmosphäre, die einem manchmal auch das fürchten lehrt, vor allem dann, wenn, wie in berlin, drei hinterhäuser existieren.
@ Klaus - das ist in FFM. Aber ich möchte gerne, sehr gerne, nach Berlin, um ausgiebigst Hinterhöfe zu fotografieren (zu adoxen). Ist hier evtl. jemand bereit, sich ein paar Tage um Johanna zu kümmern??
;-)
Das Photo ist ja nicht schlecht, aber früher, ich betone früher haben wir Fusseln und Staub immer mühsam weggemacht oder soll das den amateurhaften Charakter unterstreichen ....
Dieses Bild von Maike Venzl verdient 48 Stunden Aufmersamkeit im Voting. Betrachte ich die Bilder von Maike Venzl sehe ich Geschichten auf unbeschwerte und dennoch ernsthafte Art erzählt. Für mich eine wahrscheinlich unbeabisichtigte Alltagswahrnehmung, die ich literarisch nennen will. Dieses Bild von einem Hauseingang ist für mich ein Buchcover, unabhängig von den unscharfen Personen im Hintergrund und dem feinen Humor in Titel und Aktion. Eine Geschichte dazu gäbe es auch schon, aber ich habe sie längst geschrieben, bevor ich dieses Bild sah und zu meinen Favoriten zufügte. Die alten Briefschlitze und Klappen sind zudem Symbole unseres Überlebens. Mich überzeugt die Tonung, der Aufbau und der grafische Blick. Ich finde es nicht perfekt um dem schon mal vorzubeugen. Ich erwarte nicht überraschend viele Prostimmen aber bin wie immer gespannt was passiert und hoffe in Maikes Sinne zu handeln.
@ Matthias, das ist lieb von Dir. Wir beide wissen ja, was hiermit passieren wird, aber es freut mich, wenn es viele Menschen immerhin sehen werden :-)
Die Briefkästen und der Mann (Fotografierende) im Hintergrund haben keinen Bezug zueinander. Die Komposition ist eher willkürlich. Als teil einer Geschichte oder Doku eines Shootings ganz ansprechend, aber....
Krumpelige Bilder mit alten, faltigen Balgenkameras und technischen Unzulänglichkeiten haben für mich Charme und lassen Bilder Geschichten erzählen..............
Pro
Lid
Geschichten muß man so erzählen wie sie in der Bildzeitung stehen:
Vogel sitzt auf einem Ast
(seltenes Schauspiel)
Frau mit Leoparden-Bikini räkelt sich in einem Rapsfeld
(weiß die Hölle, was sie da im Bikini will ... von Außerirdischen entführt und dann dort wieder abgesetzt?)
Frau ohne Leoparden-Bikini (aber mit Pömps) leckt sich in einer Fabrikruine über die Lippen
(wegen dem Staub? ... trägt sie sie Schuhe auch unter der Dusche?)
Geschichte hin oder her ... Fotografie hat auch mit Ästhetik zu tun und da wird man Leute, die Leopardenmuster-Leggins tragen während sie ihre Plastikgartenzwerge polieren nicht mit sowas begeistern können ... letztlich bleibt sie aber Geschmackssache und ein Leopard ist ein schönes Tier und als Kind hab ich Zwerge ganz toll gefunden ... =)
dieses bild ist eine echte photopraphie - im gegensatz zu dem meisten, was hier vorgeschlagen wird.
es ist ein vollständiger plot - was m.e. mehr ist als ein bild, das gleich die ganze geschichte erzählt.
den text unter dem bild las ich, nachdem ich mich längst für ein pro entschieden hatte; er bekräftigt es.
40 geworden zu sein ist übrigens in der tat großer mist.
andre - es ist zum glück zwei jahre her mit den 40 bei mir und deshalb nicht mehr so schlimm. das es aber von nun an immer besser wird, ist leider auch totale illusion.
Nabi Kircaoglu, gestern um 19:18 Uhr
...immer noch auf der Suche nach einer Geschichte, habe ich zu wenig Fantasie??
sy,contra.
lg Nabi
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Ich denke es geht nicht um die "Zwei fotogafieren sich gegenseitig im Hausflur und der Hausmeister kommt Situation" sondern um nostalgische Gefühle beim Anblick so einer Briefkastananlage in einem Hausflur.
Mit der sehr mißverständlichen Umschreibung "Das Bild erzählt eine Geschichte" ist wohl gemeint das der Betrachter eigene Erinnerungen inklusive der zugehörigen Emotionen mit dem Anblick so eines Briefkastens im Hausflur und der Zeit des Aufenthalts/Lebens in dem dazugehörigen Haus verbindet.
Deswegen wird auf Nachfrage auch nicht die Geschichte aufgesagt die das Bild vermeintlich erzählt sondern gar nicht verstanden wie man so etwas fragen kann.
Es wird nämlich keine Geschichte erzählt sondern nur ein Stichwort gegeben.
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Kommt ein Mann in den Knast. Er wird in eine Zelle gesteckt, wo auch schon 8 andere Leute sitzen.
Er setzt sich hin und es herrscht totale Stille. Auf einmal sagt einer der Zellengenossen: "Zweihundertdreiundvierzig!" Alle lachen, nur der neue Mann nicht, er ist verwirrt. Kurze Zeit später sagt ein anderer:
"Viehundertsechsundvierzig!" Wieder lachen alle.
Da kann es der Neue nicht mehr aushalten, er fragt:" Was sollen diese Zahlen? Wieso lacht ihr darüber?
Einer der anderen erklärt ihm:" Wir haben uns früher immer Witze erzählt. Doch dann hatten wir keine Lust mehr den ganzen Witz aufzusagen, und so haben wir alle unsere Witze durchnummeriert.
Der Neue versteht und sagt spontan:"Siebenhundertachtundachtzig!"
Schallendes Gelächter ertönt, darauf fragt der Neue: "Welcher Witz war das denn?" Die Antwort:
Den kannten wir noch nicht!!!
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Ich weiss nicht wie andere die Beschreibung: Bild erzählt eine Geschichte verstehen. Ich weiß nur wie ich es verstehe.
In quasi jedes Bild kann man mit Glück, nachhelfen, Phantasie oder journalistischen Geschick eine Geschichte hineininterpretieren und aufbauen. Das meinte ich aber nicht. Ich meinte, was auch schon beantwortet wurde: Die Briefkästen haben keinen Bezug zum Fotografen der dort im Unscharfen steht. Vollkommen richtig! Da gibts eigentlich auch nichts drüber zu lachen. Aber das ist es ja. Es wurde nichts inszeniert, auf einen theatralen Raum hingearbeitet. Die Geschichte ist eben nicht: Mann Unscharf und Briefkästen scharf. Aber Atmosphäre hat es - meine ich zumindest - und nur die macht neugierig und nur die in ihrer Uneindeutigkeit lässt eine Geschichte zu, die mehr sagt als: Schärfepunktfixierte Briefkästen treffen auf unscharfen Mann, der aus Jux Gegenfotografiert, obwohl und überhaupt von hinten der Hausmeister kommt.
Mehr Geschichte insgesamt als hier geht also sowohl unterm Bild als im Bild kaum. Ich finde das ist reiner Luxus. Das sollte mir mal passieren ;)
Obs gefällt ist ja wieder eine andere Frage. Leider Jo Butte fand ich Deinen Text zuerst nicht lustig - warum? Ich hab ihn nämlich nicht verstanden ;) Dann aber schon und fand ihn lustig. Einen Zusammenhang zu diesem Voting gibts aber nicht oder? Das ist noch lustiger ;)
Mit "Geschichte" ist meiner Meinung nach eine Entwicklung (eine Abfolge von Ereignissen oder Zuständen) o.ä. gemeint.
Atmosphäre würde ich als einen statischen Zustand deuten der keine Entwicklung beinhaltet. Man kann damit vielleicht assoziativ eine Geschichte verbinden aber es ist für sich genommen keine Geschichte.
Ebenso ist eine Zahl kein Witz (keine erzählte Geschichte) [naja ok etwas holprig.]
Nein ein Bild ist natürlich nicht eine ganze Geschichte. Ein Bild ist ein Gleichnis, oder etwas was an eine Geschichte erinnert oder ist etwas zudem einem eine einfallen kann. Atmosphäre ist notwendig, damit die Geschichte entstehen kann. Das ist meines erachtens damit gemeint: Ein Bild erzählt eine Geschichte. Man sieht es, bzw. ich sehe und sah es und dachte mir: Aha das ist ja die Geschichte die ich vor zwei Jahren schrieb, obwohl da nur der Hauseingang drauf ist und Leute die da gar nicht vorkommen. Ich sehe ein anderes Bild, wie zum Beispiel neulich mal einen VW Polo mit Treppenbildung auf dem Grill im Studio und denke: Da steht ein Auto mit Treppenbildung auf dem Grill im Studio und es gefällt mir nicht und aus.
Nostalgie mag im übrigen vielleicht eine Rolle spielen, aber ich würde das nicht überbewerten, nur weil das Bild schwarz weiß ist, die Briefkästen alt und die Kamera auch. Ich sehe da auch ganz viel Gegenwart. Ein Foto zeigt zwar keine bewegten Bilder, aber Statik sehe ich da nur im physikalischen Sinne. Für mich bewegt sich da viel und das ist wieder das, was ich mit Geschichte gemeint habe.
Im übrigen habe ich oben nicht geschrieben: Das Bild erzählt eine Geschichte, sondern meines erachtens unmißverständlicher:
"Betrachte ich die Bilder von Maike Venzl sehe ich Geschichten auf unbeschwerte und dennoch ernsthafte Art erzählt. Für mich eine wahrscheinlich unbeabisichtigte Alltagswahrnehmung, die ich literarisch nennen will. Dieses Bild von einem Hauseingang ist für mich ein Buchcover, unabhängig von den unscharfen Personen im Hintergrund und dem feinen Humor in Titel und Aktion. "
Doch eine Zahl ist mitunter ein Witz: Wenn St. Pauli zum Beispiel weniger als 10 000 Zuschauer im Heimspiel hat (kommt ja wohl nicht vor - aber wenn), dann ist das ein Witz.
Wer auch immer es gesagt hat. Mir ist das alles zu vage. Ich finde es müssten schon konkrete Hinweise auf eine Geschichte auf dem Bild sein um zumindest im übertragenen Sinne sagen zu können es erzähle eine Geschichte.
(Entschuldigung für die Abschweifung vom zu diskutierenden Bild)
Edit: Beispiele verlinken geht wohl nicht.
Bei einem tonegemappten Auto, einem Wolkenkratzer oder einem Insekt in Großaufnahme o.ä. geht es eher um einen überwältigenden visuellen Eindruck. Boah sieht das geil aus!
Trotzdem kann das natürlich auch allerlei Sehnsüchte, Wunschträume und Erinnerungen usw. erwecken und so wirkt das eben auch .......
Glückwunsch Maike - schönes Ergebnis. Hatte auf 200 Stimmen getippt und fast richtig gelegen. Ja erstaunlich gut abgeschnitten doch und erfreulich angenehme Beiträge insgesamt. Freut mich.
dafür dass es ein Selbstvorschlag war und auch noch von mir, war es wohl das Optimum an erzielbarem Ergebnis =) ... mit fickenden Fröschen würd ich auch nicht weiter kommen *g*
nein gewiss nicht. jedenfalls ich war bisher unmittelbar bei drei votings beteiligt. mein herd brachte 56 stimmen - mein vorschlag von herberts porträt 78 und nun ein vorschlag 191 - ich meine das ist nicht viel - aber ein klein wenig bewegt man doch. die masse is ja eh uninteressant ;)
für so ein photo ein relativ gutes ergebnis. seht euch mal an, was heute wieder in die galerie eingezogen ist: drei überdramatische landschaften, zwei komische viecher, zwei sportbilder und ein weichspülportrait. angesichts all dessen also ein gutes ergebnis.
weitermachen!
Matthias von Schramm, 18.09.2006 à 19:12 Heures
Dieses Bild von Maike Venzl verdient 48 Stunden Aufmersamkeit im Voting. Betrachte ich die Bilder von Maike Venzl sehe ich Geschichten auf unbeschwerte und dennoch ernsthafte Art erzählt. Für mich eine wahrscheinlich unbeabisichtigte Alltagswahrnehmung, die ich literarisch nennen will. Dieses Bild von einem Hauseingang ist für mich ein Buchcover, unabhängig von den unscharfen Personen im Hintergrund und dem feinen Humor in Titel und Aktion. Eine Geschichte dazu gäbe es auch schon, aber ich habe sie längst geschrieben, bevor ich dieses Bild sah und zu meinen Favoriten zufügte. Die alten Briefschlitze und Klappen sind zudem Symbole unseres Überlebens. Mich überzeugt die Tonung, der Aufbau und der grafische Blick. Ich finde es nicht perfekt um dem schon mal vorzubeugen. Ich erwarte nicht überraschend viele Prostimmen aber bin wie immer gespannt was passiert und hoffe in Maikes Sinne zu handeln.viel Spaß und Ärger Matthias