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Wenn ganze Galaxien crashen tut sich allerhand. Wir Menschlein merken davon jedoch kaum etwas. Zu groß ist die Entfernung und lange sind die Zeiträume, in denen das Ganze abläuft. Das vorliegende Beispiel zeigt die beiden Galaxien M 51 und NGC 5195. Beide in einer Entfernung von rund 20 Mio. Lichtjahren, also quasi in unserer kosmischen Nachbarschaft.
Sehr schön sind die Auswirkungen dieser Begegnung zu erkennen: Die langen Gezeitenschweife aus Gasmaterial, das aus der kleineren Galaxie förmlich rausgezogen wird, und die sich bis in eine Entfernung von über 100.000 Lichtjahren nachweisen lassen, die deformierten Spiralarme der größeren Komponente und die prominente Materiebrücke zwischen beiden.
Die kleinere Galaxie, also NGC 5195, wird durch diesen Vorübergang in Folge weiterer Begegnungen - es handelt sich hier um ein gravitationell gebundenes System - vermutlich völlig zerstört werden. Zuerst wird nach einer Phase intensiver Sternentstehung sämtliches flüchtige Material aus der Galaxie herausgerissen, welches später wieder auf die Hauptgalaxie zurückstürzt, danach wird der restliche Kern in der Hauptgalaxie aufgehen, also von dieser "geschluckt" werden. Man spricht heutzutage von "galaktischem Kanibalismus".
Ob NGC 5195 dieses Schicksal tatsächlich erwartet, oder ob ihre Fluchtgeschwindigkeit groß genug ist, dieser Katastrophe zu entgehen, hängt von den Anfangsbedingungen ab. Ob es dazu Modellrechnungen gibt, die darüber Auskunft geben könnten, ist mir leider nicht bekannt.
Die Aufnahme entstand am 15. April im Waldviertel, Niederösterreich mit meiner ST2000XM an meinem 10" ASA Newton bei 900mm Brennweite (f /3.6). Die Belichtungszeiten: 14x10 min Luminanz und je 5x10 min RGB sowie 3x10 min H-alpha. Alle Subframes wurden ungebinned aufgenommen.
Vielen herzlichen Dank, dass Du dir die Zeit nimmst
uns, und so auch mich aufzuklären über die interessanten, einzigartigen Bilder,
Herzliche Grüsse Werner
Ich finde es einfach toll das Du Dir solche Mühe machst und die FC damit um einiges bereicherst. Danke für Deine Aufnahmen. Ich interessiere mich auch ein wenig für die Sterne und habe von meiner Frau zur Hochzeit einen Stern geschenkt bekommen. +38d 15 17 / +38d 13 mit einer Magnitude von 6.8 (SAO 57401) Namens "Bärchen".
Ich konnte den aber leider noch nicht ausfindig machen. Muss irgendwo in der Nähe von Vega sein...
Hast da evtl mal ein Bild in dieser Richtung gemacht?
Die Großen fressen immer die Kleinen, so ist das auch bei Galaxien. Tolle Aufnahme und ein Einblick in ein wohl spektakuläres Ereignis, wie man es sich nicht vorstellen kann. 20 Mio. Lichtjahre sind ja nicht wirklich weit weg, aber für unsere Zeitbegriffe immer noch lange genug, wenn man sich vorstellt, dass vor 20 Mio. Jahren in Bayern und BW noch Haie im Meer geschwommen sind.
Deine Bilder sind immer ein besonderes Anschauungserlebnis und die Erklärung dazu "erleuchten" auch etwas den Hintergrund der gezeigten Objekte.
Gruß, Lutz
Hallo Gerald
Ein grandioses Bild von M51 zeigst Du uns hier !
Habe selten eine solch perfekte Aufnahme von diesem Galaxienpaar gesehen. Die fast vier Stunden Belichtungszeit haben sich gelohnt, sogar der südliche Gezeitenschweif ist klar zu sehen.
LG Christian
Einfach nur Wow! Ich bin beeindruckt, wie viel man von den Materiebrücken sieht.
Gruß, Jean-Marie
P.S.: Ich glaube anstatt "gravitationell gebunden" sollte man eher "gravitativ gebunden" schreiben. Das andere klingt etwas sehr nach "denglisch" :-)
Eine sehr grosse Arbeit steckt ja hinter diesem Bild, aber das Resultat ist wirklich total umwerfend. Ich kann da nur staunen.........und ein riesengrosses Kompliment dem Fototgrafen machen.
VG Sepp
Tja was soll ich noch groß hinzufügen.
Ich bin wirklich fasziniert und muss gestehen, dass ich solche Bilder irgendwie gar nicht richtig erfassen kann. Allein schon der Versich mir vorzustellen wie weit 20 Mio. LJ sind *puh*
Vielen Dank für solch grandiose Bilder von unserem Universum!
LG
Simon
Ich finde die Aufnahme wieder mal genial - leider verstehe ich als "Normalbürger" nur Bahnhof, wenn ich die Erklärungen lese.
Gibts irgendwo ein Bild oder eine Beschreibung der Kamera "ST000XM" (wenns denn überhaupt eine Kamera ist ;-)
Was ist ein 10" ASA Newston?
Was bedeutet:
14x10 min Luminaz und 5 x 10 min RBG sowie H-alpha????
Was sind Subframes und was ist "ungebinned"?
gibts da irgendwo Litertur - würde mich sehr interessieren.
Hallo an alle,
und danke für die regen Responses und lobenden Ermunterungen. Ich freue mich natürlich riesig, wenn euch meine Bilder zusagen und einen - hoffentlich - bleibenden Eindruck hinterlassen. Darin sehe ich ja auch den Sinn dieser Community. Zum Glück habe ich noch einige weitere Bilder als Rohdaten auf meinem Rechner schlummern, die alsbald bearbeitet werden wollen. Die Schönwetterkatastrophe mit den sternklaren Nächten ist zwar noch nicht vorbei, aber nun macht sich der Mond so breit, dass keine sinnvollen Aufnahmen mehr möglich sind. Nur noch ein wenig Geduld also...
@Jean-Marie: Danke für die semantische Berichtigung. Du hast natürlich vollkommen recht.
@Helmut: Hm, das wird jetzt etwas umfangreicher. Viele Fragen, die breite Antworten erfordern. Aber hier ein Versuch es kurz zu halten.
Die ST2000XM ist eine sog. "astronomische" CCD-Kamera, die von der amerikanischen Firma Santa Barbara Instrument Group (http://www.sbig.com Dort finden sich auch detail. Angaben zu den Kameras) produziert wird. Astro-CCDs unterscheiden sich von normalen Kameras dadurch, dass sie durch eine effektive Kühlung das Rauschen, das sich sonst bei längeren Belichtungen störend bemerkbar macht, wesentlich vermindert. Damit und vor allem durch den grundsätzlich höheren Dynamikumfang werden auch erheblich längere Belichtungszeiten ermöglicht. Die ST2000 ist, wie die meisten Astro-CCDs, eine S/W-Kamera und erfordert den Einsatz von Farbfiltern, um Farbaufnahmen zu bekommen. Der Vorteil dabei ist die höhere Auflösung, da jedes Pixel rot, grün ODER blau maskiert wird und die höhere Empfindlichkeit, weil auch ohne Filter gearbeitet werden kann.
Dafür sind die (leistbaren) Chips relativ klein (knapp 9x12 mm bei der ST2000) und mit rund 3500 Euro (ST2000 ohne Filterrad) immer noch nicht ganz billig. Für den Betrieb sind spezielle Steuerprogramme und somit immer auch ein PC erforderlich. Diese gestatten ua. auch die Möglichkeit des "binnings". Darunter versteht man den Zusammenschluss von 4 (2x2), 9 (3x3) oder mehr Pixeln zu einem "Superpixel". Dadurch kann die Empfindlichkeit auf Kosten der Auflösung weiter gesteigert werden.
Bei bestimmten Objekten wird die Technik des LRGB-Verfahrens angewendet. Hierbei wird eine Trennung der Helligkeits- und der Farbinformationen vorgenommen. L steht für Luminanz, also der Helligkeitswerte, und ist eine einfache ungefilterte S/W-Aufnahme in voller Auflösung. Dieses Helligkeitsbild wird im Zuge der Bildbearbeitung mit einem Farbbild (RGB) überlagert. Der Vorteil dabei ist, dass die Farbe nicht so hoch aufgelöst sein muss, und damit die Methode des "binnings" eingesetzt werden kann. Insgesamt läßt sich somit Belichtungszeit sparen.
"Subframes" habe ich leider falsch in der Beschreibung eingesetzt. Dort meinte ich eigentlich "Einzelaufnahmen" während "Subframe" das Auslesen eines Ausschnitts aus einer Einzelaufnahme bezeichnet. Nur zum Verständnis: Ich (und alle anderen Astrofotografen auch) machen mehrere kürzer belichtete Aufnahmen eines Objekts, typischerweise 5 oder 10 Minuten-Belichtungen, und addieren diese Einzelaufnahmen (quasi als Sandwichaufnahme) zu einem Gesamtbild. Das wird als "stacking" bezeichnet. Damit wird zwar ein etwas schlechteres Signal/Rausch-Verhältnis erzielt, als wenn eine Einzelaufnahme mit der selben Gesamtbelichtungszeit gemacht wird, aber es verhindert das Ausbrennen zu heller Bildpartien und bietet zudem die Möglichkeit, Störungen wie zB durchfliegende Flugzeuge über Spezialalgorithmen einfach wegzurechnen.
Literatur dazu gibt es. Google doch einfach mal nach "CCD Astronomie in fünf Schritten" - eines der besten Bücher auf diesem Gebiet - oä.
Und zuletzt noch die Aufnahmeoptik. Zur Zeit ist es ein Fernrohr des Typs Newton-Spiegelteleskop mit 10" also 25 cm Durchmesser und einer Brennweite von 900 mm. Ein Bild davon findest Du mittlerweile auf meiner Profilseite.
So, hoffe das sprengt nicht den DB-Eintragsrahmen ;)
LG und clear skies für alle Astrofotografen unter Euch,
Gerald
Danke für die Erklärungen - sehr interessant. Ich habe mich schon etwas im Netz umgesehen.
Hier hat sich mein Mitgliedsbeitrag für die FC mal ausgezahlt ;-)
LG Helmut
Hallo Gerald,
bei manchen Bildern kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus, wie bei deinem hier. Das ist unglaublich, man sieht dem Bild wirklich an, dass die Galaxien aneinander zerren! Wirklich toll!
LG Silvi