Gerhard Körsgen


Premium (World), Köln

"Geh' deinen eigenen Weg"

Aufnahme Köln-Höhenberg im Herbst 2015.



Dieses Ritual gab ihm Ruhe und Kraft.
Jeden Abend drehte R. "seine Runde", wie er es nannte.
Bevor er das Haus verliess zog er stets noch die dunkle Anzugjacke an die Madeleine ihm einst geschenkt hatte
in Zeiten als er sich beides zusammen nicht leisten konnte
aber Madeleine
"leistete" er sich
die ihm immer Madeleines brachte
dieses widerwärtige Gebäck.
Er machte oft blöde Witze ihr gegenüber mit diesem profanen Wortspiel.
Eigentlich war sie gar nicht übel.
Im Grunde war sie die Beste

gewesen.

"Geh' deinen eigenen Weg",
Du brauchst mich nicht,
dies sagte sie ihm
allen Ernstes.
Seine Mutter hatte ihn stets Respekt vor den Frauen gelehrt
und seine älteren Schwester sowieso,
hehe.
Madeleine reihte sich gut ein.
Sie liebte ihn für das was er war
und für das was sie in ihm sah
und genau das
konnte er nicht ertragen.


Zum Thema "Redensarten in Bildern" siehe auch

"Laß' dich nicht verbiegen !"
"Laß' dich nicht verbiegen !"
Gerhard Körsgen

Commentaire 19

  • mike snead 18/12/2015 15:18

    perfect,gerry.

    fav.

    vlg.

    mike
  • Christos Banos 12/12/2015 18:02

    Nice one!
    rgrds, Christos
  • Gerhard Körsgen 03/12/2015 20:11

    Gerade im street-photography-Bereich werden Füße gerne überbewertet ;-)
  • Tassos Kitsakis 03/12/2015 20:09

    Der Text hätte sich gut irgendwo in einem der sieben Bände von Marcel Prousts auf der Suche nach der verlorenen Zeit, einreihen können.
    Nicht nur wegen Madeleine.

  • Simbelmyne 03/12/2015 13:03

    die bild-text-kombi mag ich, den abgeschnittenen fuss weniger.
  • Elsemarie 01/12/2015 17:40

    Ohne Füße Madeleine, geht es schlecht den eigenen Weg zu gehen.

    LG,Ellen
  • Gerhard Körsgen 01/12/2015 0:16

    @Lucius: Ich bin ehrlich gerührt ob deiner sowohl rational als auch das Gefühl betreffend so tiefgehenden Bildbesprechung...puh, da muss ich erst mal durchatmen nach der Lektüre derer.

    Bitte sei und seid ihr anderen alle mir nicht böse dass ich das alles NICHT auflöse, denn die Fragen die angesprochen wurden sind genau DIE Fragen die auch mich selbst umtreiben...der Text war so halb autobiographisch...von daher denke ich es bleibt für alle interessanter wenn das Ganze so wie bis jetzt besprochen und zu sehen in der Schwebe bleibt.
  • soulfully 30/11/2015 17:45

    ....sehr STARK in Verbindung mit dem Text !!

    LG
  • Udo Ludo 30/11/2015 16:34

    Ein Handlauf macht sich frei.
    Ich grübel darüber, ob der vom Rand abgeschnittene Fuß die Bildgeschichte fördert, ein Stück, das außerhalb des Gezeigten wirkt.
  • Christian Dolle 30/11/2015 16:13

    Das Foto finde ich richtig stark. Da drängt sich eine Geschichte dazu förmlich auf. Umso besser, dass du sie dann auch gleich mitlieferst.
  • Lucius Sombre 30/11/2015 14:17

    Lieber Gerry,
    der Nachdenkanschubs wirkt weiter, ich versuche einmal meine Gedanken zu sammeln. Das Photo finde ich sehr eindringlich in seiner Einsamkeit, vor allem durch die Raumgestaltung: Rechts führen die Leuchtstoffröhren dynamisch in die unbestimmte Tiefe des Raums und zeigen den unbestimmten langen Weg der "Runde", die der Einsame geht. Diese Diagonale stößt fast rechtwinkling auf das Geländer, das um die weiße Säule führt und findet dann seine Parallele in der aufwärts führenden Rolltreppe, so dass der Verlassene genau am Wendepunkt seines Gangs gezeigt wird. Von nirgendwo nach nirgendwo geht es, der Kreis der Einsamkeit...

    Das Gedicht hat seinen elektrisierenden Punkt im "gewesen", das durch den Zeilenbruch besonders hervorgehoben wird und somit das Verlassensein betont. Was mich im Nachdenken festhält, ist vor allem die zweifache Paradoxie des Liebens. Die erste: Sie verlässt ihn, weil er sie nicht braucht, und in ihren Augen offenbar ein zu starkes Selbst hat. Aber: Muss man jemanden brauchen, um ihn zu lieben? Hieße Lieben dann nicht Abhängigkeit und wäre damit verbunden, dass jeder den eigenen Weg aufgeben müsste? Könnte man ihr nicht sagen: Liebe, das Paradox der reifen Liebe, besteht darin, in der Tiefe der Bindung den Anderen ihn selbst sein zu lassen?

    Das zweite Liebesparadox betrifft ihn. Sie liebte ihn für das, was er war und was sie in ihm sah - ist nicht genau das die Liebe, den Anderen in seinem Sosein uneingeschränkt zu bejahen? Und in ihm etwas zu sehen, was andere vielleicht nicht sehen können, weil Masken den Blick aufhalten oder ablenken? Aber genau das erträgt er nicht - warum? Weil er sich selbst nicht erträgt? Weil er als ein Anderer, als der er ist, geliebt werden möchte? Weil er sich selbst als zu wenig erscheint, wenn er dafür geliebt wird, wie er ist?

    Beide halten die Paradoxien der Liebe nicht aus, und was übrig bleibt, ist die vertraute Runde, auf der die Herausforderung durch das Paradoxe nicht befürchten ist.
    Herzliche Grüße von
    Lucius
  • Zwei AnSichten 30/11/2015 13:54

    gefällt mir sehr mit dem Text !
    lg Ingrid
  • Christian Villain 30/11/2015 11:16

    J'aime cette photo qui met en valeur la géométrie de l'endroit .
    Bravo .
    Grüsse .
  • Michael Farnschläder 30/11/2015 10:46

    der scheint hier aber eher vorgezeichnet....