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Der Bogenschütze

Der wohl bekannteste englische Bogenschütze ist Robin Hood, der mit seinen Getreuen als Gesetzloser im Sherwood Forest lebte und die Reichen ausraubte, um das Geld den Armen zu geben. Zwar war dieser tapfere Held und Anwalt des kleinen Mannes nur eine Erfindung zahlreicher Schriftsteller, doch die Geschichte seiner Liebe zu Maid Marian, seine unerschütterliche Treue zu König Richard Löwenherz und seine innige Feindschaft mit dem Sheriff von Nottingham ist wohl jedem bekannt – nicht zuletzt aus diversen Hollywood-Filmen.

In Wirklichkeit war das Leben eines Bogenschützen natürlich weit weniger glamourös. Über Jahrhunderte waren sie die effektivste und tödlichste Waffe des englischen Heeres und entschieden mehrere Schlachten trotz Unterzahl für die Engländer. Ihre Kampftechnik bestand darin, dicht gedrängt in Kohorten neben- und hintereinanderzustehen und aus ihren Langbogen gleichzeitig Pfeile in eine bogenförmige Flugbahn abzuschießen, die sich von schräg oben auf die weit entfernte feindliche Armee senkten und dort für viele Verletzte und Tote sorgten. Hatten sie alle ihre Pfeile verschossen -jeder Bogenschütze hatte ungefähr 60 davon-, zückten sie ihre mitgebrachten Schwerter, Äxte oder Dolche und gingen auf die zu dem Zeitpunkt schon arg dezimierten Gegner los. Da sie relativ schlecht bezahlt wurden, hatten sie die Erlaubnis, zu plündern oder Gefangene zur Lösegelderpressung zu nehmen.

Im White Tower zu London kann man in einer Ausstellung Illustrationen zur Kampftechnik und Ausrüstungsgegenstände der Bogenschützen betrachten, und in einem Nebenraum gibt es ähnliche Informationen, aber kindgerecht aufbereitet. So findet sich an einer Wand das Bild eines Mäuserichs in der Uniform und Ausrüstung, wie sie für mittelalterliche Langbogenschützen typisch war:
- Ein Helm, der Kopf und Nacken schützte,
- ein langärmeliges Unterhemd; gern in der Farbe Orange,
- ein engmaschiges Kettenhemd und darüber
- ein gepolstertes und mit Nieten verziertes Wams,
- eine Hose, deren Vorderlatz mit Kordeln geschlossen und deren Bund am Hemd befestigt wurde,
- und kurzschäftige Stiefel mit ledernen Schuhbändern.

Dazu kommt noch der manns- bzw. in diesem Fall mäuserichshohe Langbogen aus Eibenholz in seiner typischen D-Form mit einer Sehne aus gedrehtem Hanf, ein handliches Kurzschwert und natürlich die Pfeile. Diese bestanden aus Eschen- Eichen- oder Birkenholz und waren mit Gänse- oder Schwanenfedern befiedert. Sie befanden sich allerdings nicht in einem Köcher wie bei Robin Hood, sondern wurden entweder in den Gürtel oder -wie hier- neben dem Schützen in den Boden gesteckt. Man wartet förmlich darauf, dass der hochkonzentrierte kleine Krieger jeden Moment den Pfeil losschnellen lässt…
(Quellen: Wikipedia; Pfeildoktor: Englische Bogenschützen – Mythos und Wirklichkeit)

London im August 2018
Auf dem großen Foto erstrahlt der White Tower in seiner ganzen nächtlichen Pracht:

Der Tower bei Nacht
Der Tower bei Nacht
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