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Premium (Pro), Buchholz i.d.N.

Um nach Brest zu kommen

braucht man einen guten Grund, lautet angeblich ein französisches Sprichwort. Die westlichste Stadt der Bretagne wurde als Hafen und Marinestützpunkt im Zweiten Weltkrieg in Grund und Boden gebombt; lediglich ein paar Straßen im Zentrum wurden verschont und zeigen heute noch die für viele Städte der Bretagne typischen Fachwerkhäuser. Der Großteil der Stadt entstand am Reißbrett neu; entsprechend nüchtern und seelenlos wirkt die Bebauung. Hinzu kommt, dass Brest auch noch eine der regenreichsten Städte der Bretagne ist, was ihrem Image auch nicht gerade zuträglich ist.

Und doch gibt es auch durchaus sehenswerte Ecken in Brest. Hier z.B. sieht man beim Blick über den Hafen links die Festung Château de Brest, deren Grundfesten schon vor 2000 Jahren von den Römern gelegt wurden. Spätere Burgherren waren bretonische Herzöge, englische Könige und auch die Deutsche Wehrmacht. Heutzutage wird die eindrucksvolle Burg von der französischen Marine genutzt, und im der Öffentlichkeit zugänglichen Bereich befindet sich eines der fünf offiziellen französischen Marinemuseen.

Gegenüber liegt auf der anderen Seite des Flusses Penfeld der Tour de la Motte Tanguy, ein prächtiger Wehrturm, der über die Hafeneinfahrt wacht und an manchen Tagen auch besichtigt werden kann (als wir dort waren leider nicht). Von oben soll man einen wunderbaren Blick über den Hafen und bis hinüber zur Halbinsel Crozon haben.

Neben dem Turm befindet sich eine kleine Aussichtsplattform, auf der Sitzbänke zum Verweilen einladen. Von dort kann man diesen Blick genießen und auch die überlebensgroßen Bronzestatuen bestaunen, die in prekärer Pose an der Mauer lehnen. Man sieht einen Mann, der rücklings hinunterzufallen droht und von einer Frau an seinem Hemd festgehalten wird. Dabei handelt es sich um die Charaktere aus zwei bekannten französischen Seemannsliedern. Er ist Jean Quemeneur, der angeblich die falsche Frau geheiratet hat und (aus Kummer darüber?) eines Tages im Hafen ertrank. Sie ist Fanny de Lanninon, die in einer Bar arbeitete und dort während des Krieges möglicherweise starb. Hier jedoch ist sie es, die den jungen Mann rettet – und wer weiß, vielleicht winkt ihnen ja eine glücklichere Zukunft…

Wie man außerdem sehen kann, hatten wir großes Glück mit dem Wetter und können somit Brests schlechten Ruf zumindest in diesem Punkt nicht bestätigen.
(Quellen: La Bretonelle; tripadvisor)

Bretagne im Mai 2023

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