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Hannelore Walter


Free Account, Landshut

Clematis vitalba

Diese Fundsache hat mir wohl ein Vögelchen in den Garten getragen. Erst, als sie im
Philadelphus nach oben und dann außen wieder nach unten durchgewachsen
und auf Augenhöhe zu sehen war, hab ich sie entdeckt.



Die Gemeine Waldrebe ist eine Kletterpflanze und erreicht eine Höhe von 3  - 8 m.
5 - 7 weiße Blüten stehen in einem rispigen Blütenstand, auffällig sind die
abstehenden langen Staubgefäße. Die Blütezeit ist von Juni - Juli. Die
herzförmigen Blätter sind gegenständig und unpaarig gefiedert. Im Herbst
fallen die wolligen Fruchtstände ins Auge, die ganze Gebüsche überziehen.

Standort und Verbreitung:
Die Gemeine Waldrebe wächst an Gebüschen und Waldrändern. Sie braucht
lockere, kalkhaltige Lehmböden und hat ihre Verbreitung in Mittel- und Südeuropa.
Man findet sie noch in Nordengland.


Giftstoffe, Wirkung und Symptome:
Die Waldrebe enthält das Gift Protoanemonin.
Wie die vielen anderen Hahnenfußarten, die dieses Gift enthalten, bewirkt der
Waldrebensaft Entzündungen auf der Haut. Bei innerer Aufnahme erfolgen
Entzündungen im Mund- Rachenbereich, es kommt zu Erbrechen und Durchfällen
sowie zu Störungen des Nervensystems. Der Patient leidet an Krämpfen und an
Reizungen der Verdauungswege und der Nieren.

Tiergiftig:
Waldrebe ist giftig für Rinder und Kühe; Vergiftung ist aber nur zu erwarten, falls
die Tiere größere Mengen fressen , was praktisch nicht zu erwarten ist. Weiterhin ist
die Pflanze auch giftig für Nager, wie Hasen, Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster
und für Vögel. Symptome sind Erbrechen, Durchfall, Störungen des Nervensystems
sowie Entzündungen der Mundschleimhäute.
Für Landschildkröten ist die Waldrebe ebenfalls giftig. Das Gift reichert sich zuerst in
der Leber an, bis es zu Symptomen kommt.

Heilwirkung und Medizinische Anwendung:
Die Pflanze findet in der Homöopathie Anwendung bei Hautentzündungen, Gonorrhoe
und Lymphknotenentzündungen.

Name:
Weitere Namen für die Gemeine Waldrebe waren Geißbart, Herrgottsbart und Frauenhaar,
wohl entstanden durch die Fruchtstände, die Haaren gleichen.
Im altdeutschen wurde die Pflanze mit Leine und Lein bezeichnet, auch Lynen und
Lianen nannte man sie, was sich wiederum darauf bezieht, daß sie eine Kletterpflanze ist.
Auch der griechische Gattungsnamen Clematis weist darauf hin (klema – Ranke).
Der Artname vitalba heißt soviel wie Weiße Rebe.

Geschichtliches:
Die Pflanze wurde früher von Bettlern benutzt, um durch ihren ätzenden Saft Geschwüre
und Hautentzündungen hervorzurufen, was Mitleid und entsprechende Spendenfreudigkeit
erregen sollte (siehe auch "Kuhenschelle").

Aus der Alpen-Waldrebe stellte man früher Seile her und nahm die Ranken zum
Körbeflechten. Reste davon hat man in alten Pfahlbauten gefunden.

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