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Die Schnellste

1955 begann im OKB (Versuchskonstruktionsbüro) Tupolew die Konstrunktion eines Langstreckenverkehrsflugzeuges, welches auch im transkontinentalen Dienst eingesetzt werden konnte. Basis der Konstruktion war die gerade in Dienst gestellte militärische Tu-95, die übrigens, mit Modifikationen versehen, heute noch fliegt. Bei Tupolew verfügte man bereits über Erfahrungen wie aus einer militärischen Konstruktion eine zivil nutzbare entstehen konnte (Flugzeug 88/Tu-16 zur Tu-104), so ging die Entwicklung relativ schnell, sie dauerte nur ca 2 Jahre. Trotzdem mußte dort konstrukties Neuland betreten werden, es existierten für den Bau so großer hermetisierbarer Kabinen keinerlei Erfahrungen. Gegenüber dem Original wurde der Rumpfdurchmesser erheblich vergrößert, aus dem Mitteldecker Tu-95 wurde ein Tiefdecker. Da der Durchmesser der Luftschrauben fast sechs Meter betrug, mußte das Fahrwerk ungewöhnlich "langbeinig" ausgelegt werden.
So entstand ein Flugzeug, welches bis heute den Geschwindigkeitsrekord für propellerturbinengetriebene Passagierflugzeuge hält (877 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer Strecke von 5000km). Die Maschine erregte international Aufsehen, die japanische Fluggesellschaft JAL (Japan Airlines) nutze eine Zeitlang einige davon (in einer Kombinationslackierung JAL und Aeroflot), um transkontinentale Strecken bedienen zu können.
Speziell mit dieser Maschine, der "SSSR-L5611" besuchte Nikita S. Chruschtschow vom 15. bis zum 27. September die USA. Heute steht sie im staatlichen Museum der Luftstreitkräfte der Sowjetunion und der russischen Förderation in Monino, wo im August 2013 mein Bild entstand. Sie ist eine von drei noch existierenden Maschinen (von 31 jemals fertiggestellten, 9 davon wurden von 1960-1968 zu den ersten Frühwarnflugzeugen mit rotierendem Radardom umgebaut - dort wurde die von den AWACS bekannte Antennenkonstruktion zum ersten Mal verwendet), eine weitere steht in Kriwoi Rog (Krywyh Rih) in der Ukraine, die dritte in Museum in Uljanowsk. Dort findet man auch noch eine "Sonderform" dieser Maschine, ein unter Beibehaltung des Originals für den Passagiertransport (24 Passagiere) umgebautes Flugzeug, welches die Bezeichnung Tu-116 trägt. Davon gab es nur zwei (andere Quellen sprechen von drei) Exemplare.

Commentaire 14

  • Michael P. Brauner 14/08/2019 22:58

    Ein mächtiges Flugzeug. Allerdings war der betrieb stark eingeschränkt, denn die Triebwerke brauchten nach nur 200 Betriebsstunden eine volle Revision.

    Die Frequenz der bulligen Triebwerke in Kombination mit den gegenläufigen Doppelpropellern war einmalig. Wenn Anfang der 1990er Jahre eine An-22 mit baugleichen Triebwerken abends in  Hannover startete, vibrierten noch in 10 km die Fensterscheiben.

    Gruß. Michael
    • DDA 15/08/2019 9:27

      Die ersten NK-12 hatten nur 150 Stunden bis zur Revision, die nächsten 300 Stunden, heute erreichen die Triebwerke 5000 Stunden zwischen den Revisionen.
      VG
      Axel
  • Duppi2 28/06/2015 17:40

    Ich hab nicht gewusst, dass es eine zivile Version dieser Maschine gab. Eine wunderschöne Maschine. Danke für das Bild.
    Duppi
  • Himmelsstürmer 20/04/2015 11:12

    Danke für die Info zu dem interessanten, aber irgendwie recht lädiert aussehenden Flieger!

    HG Ulli
  • Oleg2 10/04/2015 19:13

    Sehr schone Bild, interessante Information
    Gruss aus Russland Oleg
  • Lutz Haring 25/03/2015 18:29

    sehr schönes Foto von einer flotten allten Lady.
  • FlugWerk 24/03/2015 5:18

    Ist ja eine spannende Ansicht, ein Blick in die Vergangenheit, wo die Fliegerei noch ein Abenteuer war. Ich mag diesen Eindruck sehr, spannende Doku. LG Tina
  • Lothar Röser 23/03/2015 22:55

    Eine schöne Doku von vergangener Luftfahrtgeschichte
    mit perfekter Erläuterung. Super.
    VG Lothar
  • smokeonthewater 23/03/2015 21:41

    Raritäten am laufenden Band.
    Beeindruckende Doppelpropeller. Sind die eigentlich gegenläufig?
    VG Dieter
  • Lutz Matthias Berger 23/03/2015 20:45

    Obwohl ich in ihrer Zeit lebte, blieb es mir leider versagt
    sie einmal fliegen zu sehen und ihren wahrscheinlich
    unverwechselbaren "Blättergeräuschen" zu lauschen.
    Die Tu-114 war für mich eine stille Unbekannte, die
    ich vom kindlichen Modellbau an, über zahlreiche
    Foto-und (angeschlagene) Filmdokumente bis
    hin zu diesem, Deinen Foto - immer mehr zu
    schätzen lernte. Was für eine Konstruktion...
    Der schönste Riesen-Turboprop der Welt!

    Danke. Ein klarer Favorit für das Foto
    und die informative Legende.

    VG
    Lutz
  • Robi H. Löwy 23/03/2015 18:21

    Dieser «Ausflug» war ganz sicher
    ein Highligth in Deiner Suche nach
    einmaligen Fotomotiven der Aviatik.
    Eine beeindruckende Maschine, mit
    diesen doppelten Propellern, die sicher
    auch ein besonderes Geräusch produzierten.

    Robi
  • Claus Wagner 23/03/2015 17:16

    Russisches Altmetall strahlt einfach eine riesige Faszination aus. Wahnsinns Technik. Danke fürs Zeigen und die ausführlichen Erklärungen.
    Lieben Gruß
    Claus
  • SUZIKJU 23/03/2015 16:27

    Ist natürlich toll, dass noch etwas erhalten ist, aber bestimmt in erschreckendem Zustand. So wie manche Teile in Peenemünde. Danke auch für die interessante Erklärung.
    LG Regina
  • AndiH. 23/03/2015 15:39

    Hi,

    interessant, danke für die Info. Waren diese Doppelpropeller-Konstruktionen nicht auch besonders laut? Das meine ich mal gelesen zu haben.

    VG
    Andi